Einkommensteuer in Spanien: Steuersätze, Regeln und Pflichten

Alexandra Vogt

Die Einkommensteuer, in Spanien als «Impuesto sobre la Renta de las Personas Físicas» (IRPF) bekannt, ist eine persönliche und direkte Steuer, die das Einkommen von in Spanien ansässigen natürlichen Personen besteuert. Sie basiert auf den Grundsätzen der Gleichheit, Allgemeinheit und Progressivität und berücksichtigt die persönlichen und familiären Umstände des Steuerpflichtigen.¹

Das spanische Steuersystem teilt die Zuständigkeiten zwischen der Zentralregierung und den Autonomen Gemeinschaften auf, was bedeutet, dass es sowohl staatliche als auch regionale Regelungen gibt, die die endgültige Steuerlast beeinflussen können. Die Steuer wird auf das weltweite Einkommen des Steuerpflichtigen erhoben, unabhängig davon, wo es erzielt wurde.²

Wer muss in Spanien Einkommensteuer zahlen?

Grundsätzlich sind alle natürlichen Personen, die ihren steuerlichen Wohnsitz in Spanien haben, zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet. Es gibt jedoch bestimmte Schwellenwerte, unter denen eine Erklärung nicht erforderlich ist, sofern die Einkünfte ausschliesslich aus bestimmten Quellen stammen.¹

Dabei gelten folgende allgemeine Grenzen:²

  • Steuerpflichtige mit Einkünften aus unselbstständiger Arbeit von bis zu 22’000 Euro pro Jahr müssen keine Erklärung abgeben, wenn diese von einem einzigen Zahler stammen.
  • Die Grenze sinkt auf 15’876 Euro pro Jahr, wenn die Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit aus mehr als einer der folgenden Quellen stammen:
    • Sie stammen von mehr als einem Zahler, es sei denn, die Summe der Beträge des zweiten und der übrigen Zahler übersteigt nicht 1’500 Euro pro Jahr.
    • Es werden Ausgleichszahlungen des Ehepartners oder nicht steuerbefreite Unterhaltszahlungen erhalten.
    • Der Zahler der Einkünfte ist nicht zur Einbehaltung von Steuern verpflichtet.
    • Es werden volle Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit bezogen, die einem festen Einbehaltungssatz unterliegen.

Eine wichtige Neuerung seit dem 1. Januar 2023 ist, dass alle natürlichen Personen, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Steuerzeitraum als Selbstständige (sogenannte «autónomos») gemeldet waren, verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, unabhängig von der Höhe ihrer Einkünfte. Dies gilt auch für mitarbeitende Familienangehörige, die in den entsprechenden Sozialversicherungssystemen registriert sind.²

Darüber hinaus sind Personen, die das Mindesteinkommen («Ingreso Mínimo Vital») beziehen, sowie alle Mitglieder ihrer Lebensgemeinschaft ebenfalls zur jährlichen Abgabe der Einkommensteuererklärung verpflichtet.¹

Ausnahmen und Sondertarife

Das spanische Einkommensteuergesetz sieht eine Reihe von Befreiungen für bestimmte Arten von Einkünften vor. Diese Einkünfte müssen nicht in der Steuererklärung angegeben werden und werden bei der Berechnung der Abgabepflicht nicht berücksichtigt.

Zu den wichtigsten steuerbefreiten Einkünften gehören unter anderem:²

  • Mutterschafts- und Vaterschaftsleistungen: Die öffentlichen Mutterschafts- und Vaterschaftsleistungen der Sozialversicherung sind vollständig steuerfrei. Dies gilt auch für ähnliche Leistungen, die an Beamte gezahlt werden, die nicht unter das allgemeine Sozialversicherungssystem fallen.
  • Stipendien: Öffentliche Stipendien sowie Stipendien von gemeinnützigen Organisationen und Bankstiftungen zur Finanzierung von gesetzlich geregelten Studien sind unter bestimmten Bedingungen steuerfrei. Die Befreiung deckt Studiengebühren und eine finanzielle Ausstattung bis zu bestimmten Grenzen ab, die je nachdem, ob das Studium im In- oder Ausland absolviert wird, variieren.
  • Entlassungsentschädigungen: Abfindungen bei Entlassung oder Beendigung des Arbeitsverhältnisses sind bis zu dem im Arbeitnehmerstatut festgelegten Pflichtbetrag steuerfrei, wobei eine Obergrenze von 180’000 Euro gilt.

Wie wird die Einkommensteuer in Spanien berechnet?

Die Berechnung der Einkommensteuer in Spanien ist ein mehrstufiger Prozess, der darauf abzielt, die Steuerlast an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die persönlichen Umstände des Steuerpflichtigen anzupassen. Das System unterscheidet hauptsächlich zwischen der allgemeinen Steuerbemessungsgrundlage («base imponible general») und der Spar-Steuerbemessungsgrundlage («base imponible del ahorro»):²

  1. Ermittlung der Einkünfte: Zuerst werden alle Einkünfte des Steuerjahres den verschiedenen Kategorien zugeordnet: Einkünfte aus unselbstständiger Arbeit, aus Kapitalvermögen, aus wirtschaftlichen Tätigkeiten sowie Kapitalgewinne und -verluste und Einkommenszurechnungen.

  2. Bildung der Steuerbemessungsgrundlagen: Diese Einkünfte werden dann in zwei grosse Blöcke aufgeteilt:

    • Die allgemeine Steuerbemessungsgrundlage umfasst hauptsächlich Einkünfte aus Arbeit, wirtschaftlichen Tätigkeiten und Immobilienvermietung.
    • Die Spar-Steuerbemessungsgrundlage umfasst die meisten Einkünfte aus Kapitalvermögen (z.B. Dividenden, Zinsen) und Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Vermögenswerten (z.B. Aktien, Immobilien).
  3. Anwendung von Reduzierungen: Auf die allgemeine Steuerbemessungsgrundlage können verschiedene Reduzierungen angewendet werden, wie z.B. für gemeinsame Veranlagung, Beiträge zu Pensionsplänen oder Unterhaltszahlungen.

  4. Persönlicher und familiärer Freibetrag: Ein wesentlicher Bestandteil der Berechnung ist der persönliche und familiäre Freibetrag («mínimo personal y familiar»). Dies ist ein Betrag, der als notwendig für die Deckung der Lebenshaltungskosten des Steuerpflichtigen und seiner Familie angesehen wird und daher nicht besteuert wird. Die Höhe dieses Freibetrags hängt von den persönlichen Umständen ab (Alter, Behinderung) sowie von der Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder und aufsteigenden Verwandten.

  5. Anwendung der Steuersätze: Die Steuer wird berechnet, indem progressive Steuersätze auf die Steuerbemessungsgrundlagen angewendet werden. Sowohl für die allgemeine als auch für die Spar-Steuerbemessungsgrundlage gibt es separate Steuertabellen, die jeweils aus einem staatlichen und einem regionalen Teil bestehen. Die Autonomen Gemeinschaften haben die Befugnis, ihre eigenen regionalen Steuersätze festzulegen, was zu Unterschieden in der Gesamtsteuerbelastung je nach Wohnort führen kann.

  6. Ermittlung der Steuerquote und Abzüge: Aus der Anwendung der Steuersätze ergeben sich die staatliche und die regionale Bruttosteuerquote («cuota íntegra estatal y autonómica»). Von diesen Beträgen können verschiedene Abzüge abgezogen werden, wie z.B. für Investitionen in neu gegründete Unternehmen, für Spenden oder für energetische Sanierungsmassnahmen an Wohnungen.

Das Endergebnis der Erklärung ist die Differenz zwischen der berechneten Steuer und den bereits geleisteten Vorauszahlungen (z.B. Lohnsteuerabzug). Dies führt entweder zu einer Nachzahlung oder einer Rückerstattung.

Rechte und relevante Behörden

Die spanische Steuerverwaltungsbehörde («Agencia Estatal de Administración Tributaria» oder AEAT) ist die für die Verwaltung der Einkommensteuer zuständige Behörde. Sie stellt Steuerpflichtigen verschiedene Instrumente und Dienstleistungen zur Verfügung, um die Einhaltung ihrer steuerlichen Pflichten zu erleichtern.

Steuererklärung und Fristen:
Die Frist für die Einreichung der Einkommensteuererklärung läuft normalerweise von Anfang April bis Ende Juni. Wenn die Zahlung per Lastschrift erfolgen soll, endet die Frist dafür meist einige Tage früher. Steuerpflichtige können über den Dienst «Renta WEB» auf einen Entwurf ihrer Erklärung zugreifen, diesen überprüfen, ändern und elektronisch einreichen.¹

Zahlung der Steuerschuld:
Wenn die Erklärung zu einer Nachzahlung führt, gibt es mehrere Zahlungsmöglichkeiten:¹

  • Einmalzahlung: Die Zahlung kann sofort elektronisch, per Lastschrift oder durch Vorlage eines Zahlungsbelegs bei einer kooperierenden Bank erfolgen. Im Jahr 2024 wurden Zahlungsmethoden wie Sofortüberweisungen über sichere E-Commerce-Plattformen (z.B. BIZUM) und Kredit- oder Debitkarten eingeführt.
  • Ratenzahlung: Steuerpflichtige können die Zahlung ohne Zinsen oder Aufschläge in zwei Raten aufteilen: Die erste Rate in Höhe von 60 % des Betrags wird zum Zeitpunkt der Abgabe der Erklärung fällig, die restlichen 40 % müssen bis Anfang November bezahlt werden.

Korrektur von Erklärungen:
Ab dem Steuerjahr 2024 wurde ein neues System namens «korrigierende Selbstveranlagung» («autoliquidación rectificativa») eingeführt. Dieses System ersetzt das bisherige duale System aus ergänzender Selbstveranlagung und Antrag auf Berichtigung und dient als einheitliches Verfahren zur Korrektur von Fehlern oder Auslassungen in bereits eingereichten Erklärungen, unabhängig davon, ob die Korrektur zu Gunsten des Steuerpflichtigen oder der Staatskasse ausfällt.²

Unterstützungsdienste:
Die Steuerbehörde bietet verschiedene Unterstützungsdienste an, darunter einen telefonischen Informationsdienst («Renta Información»), einen virtuellen Assistenten auf ihrer Website und persönliche Hilfe bei der Erstellung der Erklärung per Telefon («Plan Le Llamamos») oder in den Büros der Behörde nach vorheriger Terminvereinbarung.²

Mit Wise im Euroraum zahlen

Mit Wise günstig international bezahlen

Eine transparente und günstige Lösung für Zahlungen und Überweisungen im Ausland ist Wise. Der internationale Zahlungsdienstleister nutzt den Devisenmittelkurs und zeigt Ihnen immer im Vorhinein an, wie viel an Gebühren eine Überweisung kostet und wie sich diese zusammensetzen.

Ihre Vorteile im Überblick:

  • Multi-Währungs-Konto: Mit dem Wise Konto können Sie Euro für laufende Kosten wie Steuern oder Nebenkosten halten, für Zahlungen nutzen und jederzeit zwischen CHF und EUR wechseln
  • Internationale Debitkarte: Mit der praktischen Wise Debitkarte können Sie in 160+ Ländern bezahlen, natürlich auch in Spanien und dem Rest der EU. Mit ausreichendem Guthaben in der Landeswährung ist das sogar kostenlos.
  • Transparente Kosten: Sie können genau nachverfolgen, was die Überweisung kostet, bevor Sie die Zahlung bestätigen.
  • Keine versteckten Aufschläge: Der angezeigte Wechselkurs ist der Kurs, den Sie erhalten.
  • Hilfe bei grossen Überweisungen: Wise bietet bei grossen Transaktionen zusätzliche Unterstützung durch Experten. Diese stehen Ihnen wahlweise per Telefon oder E-Mail zur Seite.
  • Rabatt auf Überweisungen über 20’000 CHF: Überweisen Sie innerhalb eines Monats mehr als 20’000 CHF (oder Gegenwert in anderen Währungen), dann profitieren Sie bis Monatsende von vergünstigten Gebühren.

Mehr über grosse Überweisungen mit Wise

FAQs

Was ist die allgemeine Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung in Spanien?

Die Frist für die Abgabe der spanischen Einkommensteuererklärung läuft in der Regel von Anfang April bis Ende Juni.

Müssen Selbstständige in Spanien auch bei sehr geringem Einkommen eine Steuererklärung abgeben?

Ja, seit dem 1. Januar 2023 sind alle Personen, die in Spanien als Selbstständige («autónomos») registriert sind, verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, unabhängig von der Höhe ihrer Einkünfte.²

Kann man die Einkommensteuer in Spanien in Raten zahlen?

Ja, das spanische Steuersystem erlaubt die Aufteilung der Steuerschuld in zwei Raten ohne zusätzliche Zinsen oder Aufschläge. Die erste Rate beträgt 60 % und ist bei Abgabe der Erklärung zu zahlen, die restlichen 40 % sind in der Regel bis Anfang November fällig.²

Was passiert, wenn ich nach Abgabe meiner Erklärung einen Fehler entdecke?

Ab dem Steuerjahr 2024 wurde das System der «korrigierenden Selbstveranlagung» eingeführt. Mit diesem Verfahren können Sie eine bereits eingereichte Erklärung korrigieren, ergänzen oder ändern, indem Sie eine neue Erklärung übermitteln, die die vorherige ersetzt.²

Quellen (Stand 18.12.2025):
  1. Administracion.gob.es – Einkommensteuer (Englisch)
  2. Agencia Tributaria – Einkommensteuerhandbuch Spanien 2024

*Services für Schweizer Kunden werden von Wise Payments Limited zur Verfügung gestellt. Wise Payments Limited ist als Electronic Money Institution (EMI) bei der UK Financial Conduct Authority (FCA) mit der Zulassungsnummer 900507 registriert.


*Bitte siehe dir unsere Nutzungsbedingungen und die Produktverfügbarkeit für deine Region an oder besuche die Wise-Gebührenseite für die aktuellsten Informationen zu Preisen und Gebühren.

Die in dieser Publikation enthaltenen Informationen stellen keine rechtlichen, steuerlichen oder sonstigen professionellen Beratungsfunktionen seitens Wise Payments Limited oder mit Wise verbundenen Unternehmen dar. Die Publikation ist nicht als Ersatz für die Einholung einer Steuerberatung durch einen Wirtschaftsprüfer oder Steueranwalt gedacht.

Wir geben keine Zusicherungen, Gewährleistungen oder Garantien, dass die in dieser Publikation enthaltenen Inhalte korrekt, vollständig oder aktuell sind.

Geld ohne Grenzen

Erfahre mehr

Tipps, News und Updates für deine Region