Einkommensteuer in Portugal: Steuersätze, Fristen und Doppelbesteuerung

Alexandra Vogt

Die persönliche Einkommensteuer in Portugal, bekannt als Imposto sobre o Rendimento das Pessoas Singulares (IRS), ist eine Steuer, die auf das Einkommen von in Portugal ansässigen Bürgern und von Nichtansässigen, die in Portugal Einkommen erzielen, erhoben wird. Sie wurde am 1. Januar 1989 eingeführt und zuletzt am 1. Januar 2015 umfassend reformiert.¹ ³

Die für Finanzen und die Abwicklung der IRS zuständige Behörde ist die Steuer- und Zollbehörde (Autoridade Tributária e Aduaneira, AT). Die Steuer wird auf der Grundlage des erzielten Einkommens unter Anwendung des entsprechenden Steuersatzes für die jeweilige Einkommensklasse und unter Berücksichtigung der gesetzlich vorgesehenen Abzüge, wie z. B. für Bildungs- oder Gesundheitsausgaben, ermittelt.¹

Wer muss in Portugal Einkommensteuer zahlen?

Grundsätzlich müssen Personen, die in Portugal Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, selbständiger Tätigkeit, Kapitalvermögen, Immobilien, Vermögenszuwächsen und Renten beziehen, diese deklarieren. Die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung unterscheidet sich je nach steuerlichem Wohnsitz:¹ ³

  • Ansässige: Als in Portugal ansässig gilt, wer sich mehr als 183 Tage (aufeinanderfolgend oder nicht) innerhalb eines 12-Monats-Zeitraums in Portugal aufhält oder zu irgendeinem Zeitpunkt während dieses Zeitraums über eine Wohnung verfügt, die als ständiger Wohnsitz genutzt werden soll. Ansässige werden auf ihr weltweites Einkommen besteuert.
  • Nichtansässige: Nichtansässige sind nur für Einkünfte steuerpflichtig, die aus portugiesischen Quellen stammen und nicht dem Quellensteuerabzug unterliegen. Dazu gehören Vergütungen für in Portugal ausgeübte Tätigkeiten oder solche, die von einem portugiesischen Unternehmen getragen werden.
  • Weitere Kriterien für die Ansässigkeit: Als ansässig gelten auch Besatzungsmitglieder von Schiffen oder Flugzeugen, die für in Portugal ansässige Organisationen tätig sind, sowie Personen, die öffentliche Ämter im Ausland im Dienste des portugiesischen Staates ausüben.

Es gibt jedoch Situationen, in denen Bürger von der Abgabe der IRS-Erklärung befreit sind. Dies gilt für Personen, die im Steuerjahr ausschliesslich folgende Einkünfte bezogen haben, entweder einzeln oder kombiniert:¹

  • Einkünfte, die durch Quellensteuern besteuert werden.
  • Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder Renten bis zu einem Gesamtwert von 8’500 Euro.
  • Unterhaltszahlungen bis zu einem Grenzwert von 4’104 Euro.
  • Subventionen oder Zuschüsse im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik mit einem Jahreswert von bis zu 1’921,72 Euro (basierend auf dem Wert des Index für soziale Unterstützung (IAS) von 2023).
  • Einkünfte aus einem "isolierten Akt" (ato isolado) mit einem Jahreswert von bis zu 1’921,72 Euro (basierend auf dem IAS-Wert von 2023).

Diese Befreiung gilt nicht für Bürger, die sich für eine gemeinsame Veranlagung entscheiden, bestimmte Renten, Sachbezüge oder Unterhaltszahlungen über 4’104 Euro erhalten.¹

Ausnahmen und Sondertarife

Das portugiesische Steuersystem sieht verschiedene Ausnahmen und Sondertarife für bestimmte Einkommensarten und Steuerzahlergruppen vor:³ ⁴

  • Nichtansässige: Nichtansässige werden in der Regel mit einem Pauschalsatz von 25 % auf ihr steuerpflichtiges Einkommen besteuert.
  • Status des nicht gewöhnlich Ansässigen (NHR): Dieses Sondersystem für ausländische Bürger oder zurückkehrende portugiesische Staatsangehörige wurde zum 1. Januar 2024 abgeschafft. Es bot steuerliche Vorteile, wie einen reduzierten IRS-Satz für Tätigkeiten mit hohem Mehrwert. Für Steuerzahler, die die Bedingungen bis zum 31. Dezember 2023 erfüllten, gilt eine Übergangsregelung für maximal 10 Jahre.
  • Steueranreiz für wissenschaftliche Forschung und Innovation (IFICI): Als Nachfolger des NHR-Regimes richtet sich dieses neue, restriktivere System an Personen, die für Forschungs- und Innovationstätigkeiten nach Portugal ziehen. Es bietet einen Sondersatz von 20 % auf Einkünfte aus bestimmten Tätigkeiten und eine Befreiung für ausländische Einkünfte (mit Ausnahmen) für einen Zeitraum von 10 Jahren.
  • Ehemalige Ansässige: Personen, die in den Jahren 2024, 2025 oder 2026 steuerlich ansässig werden und in den fünf vorangegangenen Jahren nicht in Portugal ansässig waren, können von einer 50%igen Steuerbefreiung auf ihre Arbeits- und Berufseinkünfte profitieren, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
  • Kapitalerträge: Dividenden und Zinsen werden in der Regel pauschal mit 28 % besteuert. Steuerzahler können jedoch die Einbeziehung in ihr Gesamteinkommen wählen, was zu einer Besteuerung mit progressiven Sätzen führt. Erträge aus Ländern auf der schwarzen Liste werden mit 35 % besteuert.
  • Mieteinnahmen: Für Wohnraummietverträge gilt ein Pauschalsatz von 25 %, wobei je nach Vertragsdauer ermässigte Sätze möglich sind. Alternativ können Steuerzahler die Einbeziehung in das Gesamteinkommen wählen.
  • Kapitalgewinne: Der positive Saldo aus Kapitalgewinnen und -verlusten unterliegt einem Sondersatz von 28 %. Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an Kleinst- und Kleinunternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, werden nur zu 50 % besteuert. Bei Immobilienverkäufen durch Ansässige werden 50 % des Gewinns zu progressiven Sätzen besteuert. Eine Befreiung ist möglich, wenn der Erlös in eine neue Hauptwohnung reinvestiert wird.

Praça do Comércio in Lissabon

Wie wird die Einkommensteuer in Portugal berechnet?

Die Berechnung der Einkommensteuer in Portugal ist ein mehrstufiger Prozess, der das steuerpflichtige Einkommen, Abzüge und Gutschriften berücksichtigt.

1. Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens:
Das steuerpflichtige Einkommen umfasst verschiedene Kategorien wie Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, unternehmerische und selbständige Einkünfte, Kapitalerträge, Mieteinnahmen und Kapitalgewinne. Von diesen Bruttoeinkünften können bestimmte Beträge abgezogen werden. So können Arbeitnehmer beispielsweise obligatorische Sozialversicherungsbeiträge oder einen Pauschalbetrag abziehen. Selbständige im vereinfachten Regime wenden vordefinierte Koeffizienten auf ihre Bruttoeinkünfte an, um das steuerpflichtige Einkommen zu ermitteln.³

2. Gemeinsame Veranlagung:
Ehepaare und eingetragene Partnerschaften können zwischen individueller und gemeinsamer Veranlagung wählen. Bei gemeinsamer Veranlagung wird das steuerpflichtige Einkommen zur Ermittlung des anwendbaren Steuersatzes durch zwei geteilt, was oft zu einer geringeren Steuerlast führt.¹ ³

3. Steuergutschriften und Abzüge von der Steuerschuld:
Nach Ermittlung der Steuerschuld können verschiedene Abzüge geltend gemacht werden, die die endgültige Steuerlast reduzieren. Dazu gehören:³

  • Allgemeine Haushaltsausgaben: 35 % der Ausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 250 Euro pro Steuerzahler.
  • Gesundheitsausgaben: 15 % der Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1’000 Euro.
  • Bildungs- und Ausbildungskosten: 30 % der Ausgaben bis zu einem Höchstbetrag von 800 Euro.
  • Wohnkosten: Mietkosten bis zu 800 Euro.
  • Unterhaltszahlungen: 20 % der gezahlten Beträge ohne Begrenzung.
  • Altersvorsorgepläne (PPR): 20 % der investierten Beträge mit altersabhängigen Obergrenzen (300-400 Euro).
  • Ausgaben für Altersheime und Pflegeeinrichtungen: 25 % der Kosten bis zu 403,75 Euro.
  • Abhängige Personen: Die festen Abzüge von der Steuerschuld betragen pro unterhaltsberechtigtem Kind 600 Euro und ältere Verwandte im gleichen Haushalt, die maximal die Mindestrente beziehen, 525-635 Euro.
  • Behinderung: Personen mit einer nachgewiesenen Behinderung haben Anspruch auf zusätzliche Abzüge.

Es gibt eine Obergrenze für die Summe der meisten dieser Abzüge, die vom steuerpflichtigen Einkommen abhängt.

Rechte und zuständige Behörden

Die Einhaltung der Steuervorschriften wird in Portugal von der Steuer- und Zollbehörde Autoridade Tributária e Aduaneira (AT) überwacht. Die Behörde ist ebenfalls für die Abwicklung der Einkommensteuer verantwortlich.¹

Steueradresse:
Jeder Steuerzahler ist gesetzlich verpflichtet, seine Steueradresse auf dem neuesten Stand zu halten. Eine Änderung der Adresse auf der Bürgerkarte (Cartão de Cidadão) aktualisiert automatisch die Steueradresse. Eine veraltete Adresse kann zu Strafen von bis zu 375 Euro führen.¹

Einreichung der Steuererklärung:
Die Steuererklärung (Modelo 3) muss jährlich zwischen dem 1. April und dem 30. Juni für die Einkünfte des Vorjahres eingereicht werden. Die Einreichung ist obligatorisch online über das Steuerportal (Portal das Finanças) vorzunehmen. Vor der Einreichung müssen bis zum 25. Februar des jeweiligen Jahres alle Rechnungen und Belege auf dem Portal überprüft und zugeordnet werden.¹ ³

Zahlung der Steuern:
Die Frist für die Zahlung der Steuerschuld ist in der Regel der 31. August, wenn der Steuerbescheid bis zum 31. Juli ergangen ist, oder der 31. Dezember, wenn der Bescheid bis zum 30. November ergeht. Bei finanziellen Schwierigkeiten kann für Steuerschulden bis zu 5’000 Euro eine Ratenzahlung ohne Bürgschaft beantragt werden.¹

Rechte des Steuerzahlers:
Bei Fehlern im Steuerbescheid kann innerhalb von 120 Tagen ein Verwaltungsrechtsbehelf bei der AT eingelegt werden, um eine vollständige oder teilweise Aufhebung zu beantragen. Um eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, hat Portugal mit zahlreichen Ländern Abkommen geschlossen.¹ ²

Personen, die in mehreren Ländern als steuerlich ansässig gelten, sollten ein Ansässigkeitszertifikat beantragen, um ihre Situation zu klären. Gemäss EU-Recht müssen Steuerzahler unter den gleichen Bedingungen wie Staatsangehörige des Wohnsitzlandes besteuert werden, was den Anspruch auf gleiche Freibeträge und Steuererleichterungen einschliesst.¹ ²

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FAQs

Bis wann muss die Steuererklärung in Portugal eingereicht werden?

Die jährliche Steuererklärung für das Einkommen des Vorjahres muss in Portugal zwischen dem 1. April und dem 30. Juni online über das Steuerportal eingereicht werden.¹ ³

Profitieren Nichtansässige in Portugal von besonderen Steuerregelungen?

Ja, Nichtansässige werden in der Regel pauschal mit 25 % auf ihr in Portugal erzieltes Einkommen besteuert. Zudem gibt es spezielle Anreizsysteme, wie den "Steueranreiz für wissenschaftliche Forschung und Innovation" (IFICI), der das frühere NHR-Regime abgelöst hat und bestimmten Berufsgruppen Vorteile bietet.³

Was passiert, wenn ich in zwei Ländern als steuerlich ansässig gelte?

In diesem Fall liegt eine Doppelbesteuerungssituation vor. Um dies zu lösen, gibt es Doppelbesteuerungsabkommen, die festlegen, welches Land das Besteuerungsrecht hat. Portugal hat wie der Rest der EU mit vielen Ländern solche Abkommen geschlossen. Es wird empfohlen, bei der Steuerbehörde ein Ansässigkeitszertifikat zu beantragen, um den steuerlichen Status zu klären.¹ ²

Wie werden Mieteinnahmen in Portugal besteuert?

Mieteinnahmen aus Wohnimmobilien werden in Portugal grundsätzlich mit einem Pauschalsatz von 25 % besteuert. Es besteht jedoch die Möglichkeit, diese Einnahmen zusammen mit dem übrigen Einkommen zu progressiven Sätzen zu versteuern. Je nach Dauer des Mietvertrags können auch ermässigte Steuersätze zur Anwendung kommen.³

Quellen (Stand 19.12.2025):
  1. gov.pt – Personal income tax (IRS) in Portugal (Englisch)
  2. Your Europe – Income taxes abroad (Englisch)
  3. AICEP – Personal Income Tax (Englisch)
  4. Autoridade tributária e aduaneira – Article 71 of CIRS (Portugiesisch)

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